Auf zum Urban Gardening!

Mal ganz ehrlich: haben Sie einen grünen Daumen? Oder müssen Sie auch ständig neue Kräutertöpfe anschaffen, weil das Basilikum schlaff herunterhängt? So geht’s uns oft, dennoch geben wir nicht auf. Jedes Jahr im Frühjahr bepflanzen wir diverse Töpfe und drücken Saatgut in Schalen auf unserem Balkon. Später im Sommer feiern wir triumphierend jede noch so kleine Tomate, die es geschafft hat reif und rot zu werden. Zumeist reicht der Ertrag unseres Idealismus jedoch noch nicht einmal für eine Pastasauce.

Pflanzenanbau inmitten der Stadt: Urban Gardening

Aber nicht alle sind ähnlich erfolglos wie wir. Für diese klingt Gärtnern in der Stadt zur Selbstversorgung als Urban Gardening direkt sexy. Zumindest weniger spießig als Schrebergarten-Kolonie oder Kleingärtnerverein – meint aber dasselbe. Die Nachfrage nach der eigenen Gartenparzelle nimmt zu, gerade weil immer mehr Menschen im Lebensraum Stadt wohnen. Sie sind des Betongraus und der Entfremdung von der Natur überdrüssig. Daher schaffen sie grüne Oasen und wollen sich mit Obst und Gemüse aus eigenem Anbau zumindest teilweise selbst versorgen. Manchmal kapern sie beim Guerilla Gardening sogar öffentliche Flächen und Grünstreifen.

Realität und Zukunftsmusik

Ein Blick nach Bayern, ins schöne oberfränkische Bamberg, zeigt die historischen Wurzeln: Seit dem 17. Jahrhundert wird dort, innerhalb der Stadtmauern, Gartenbau betrieben. Der Stadtteil Gärtnerstadt gehört sogar zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Bamberger Gärtner bauen, neben der bekannten Kartoffelsorte „Bamberger Hörnla“ und anderen lokalen Spezereien, sogar Süßholz an. Das Würz- und Heilmittel ist die Basis von Lakritz.

Was beim urbanen Gartenbau im ersten Moment nach Freizeitbeschäftigung für die trendbewusste Stadtbevölkerung klingt, hat ökologische und wirtschaftliche Hintergründe: Urbanes Bevölkerungswachstum und immer weniger landwirtschaftliche Anbauflächen erfordern Lösungen. Die lokale Versorgung ist in Zeiten von Nachhaltigkeitsbestreben und Kohlendioxidbelastung durch Transportwege also auch unter Umweltaspekten interessant.

Die grüne Großstadt

So gibt es bereits weltweit Projekte, die zu grüneren Innenstädten führen. Auf Wohngebäuden werden Dachgärten angelegt, in welchen, selbst im quirligen New Yorker Stadtteil Manhattan, Imker Honig gewinnen. Dort ist seit einigen Jahren auch mit der begrünten High Line aus einer ehemaligen Güterzugtrasse eine grüne Oase entstanden und hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt.

In Zukunft wird vielleicht Landwirtschaft nicht mehr auf der Fläche betrieben, sondern in die Höhe befördert: Erste Projekte zum Vertical Farming existieren bereits. Dabei wollen die Forscher auch für minimalen Wasserverbrauch sorgen: durch geschlossene Kreislaufsysteme. Mit dem Tropenhaus „Klein Eden“ gibt es auch hierzulande ein spannendes Forschungsprojekt. Mit Hilfe von Abwärme einer Glasbläserei werden in Oberfranken exotische Früchte, wie Mango, Litschi und Maracuja angebaut.

Daneben werden Buntbarsche gezüchtet. Das führt dann schnell in den Bereich der Aquaponik. Dabei wird in geschlossenen Kreisläufen die Aufzucht von Fischen (Aquakultur) mit der Kultivierung von Nutzpflanzen (Hydrokultur) verbunden. Das nährstoffreiche Wasser „gießt“ die Pflanzen und gelangt wieder zurück zu den Fischen, zwischendurch biologisch gereinigt durch Bakterien.

Dann sind wir Ackerhelden für einen Sommer

Hui, viel Wissenschaft. Dafür spielen wir konkret mit dem Gedanken, ein klein wenig Landwirtschaft zu betreiben. Das klingt großspuriger als es ist. Viele Bauern haben den Wunsch der Städter nach eigenem Obst und Gemüse erkannt. Sie bieten seit einigen Jahren kleine Parzellen an, die sie vorbereiten: Verschiedene Gemüsesorten, Kräuter und auch Blumen sind bereits vorgepflanzt, wenn der Hobbygärtner im Frühling übernimmt und nach ein wenig Pflege nur noch die Ernte einfahren muss. Für Kandidaten wie uns gibt es sogar fachliche Unterstützung auf dem Weg zum Selbstversorger – quasi ein Sorgentelefon.

Vielleicht haben Sie auch schon einen Landwirt in ihrer Nähe ins Auge gefasst. Mit steigender Nachfrage haben sich jedenfalls schon einige Unternehmen etabliert. Das junge Start-up Ackerhelden vermietet biozertifizierte, mit verschiedenen Gemüsesorten vorbepflanzte Ackerstücke, auf denen ab Mai losgelegt werden kann. Dazu gehört dann nicht nur freudiges Ernten und neu Säen, sondern der Acker will auch umgegraben und Unkraut entfernt werden. Da halst man sich bis in den November einen Haufen Arbeit auf, deren Früchte man aber eben auch ernten kann.

Wer eher einen braunen Daumen hat, dem bieten sich andere Möglichkeiten Obst und Gemüse jenseits des konventionellen Supermarktes nachhaltig und durch eigenes Mitwirken zu beziehen: In sogenannten Solidarischen Landwirtschaften schließen sich verschiedenste Menschen zusammen, um durch eigene Mitarbeit oder mit finanziellen Mitteln einen landwirtschaftlichen Betrieb in ihrer Umgebung zu unterstützen. Im Gegenzug erhalten sie dessen Ernteertrag und teilen mit persönlichem und direktem Bezug zwischen Erzeuger und Verbrauchern im gesellschaftlichen Miteinander landwirtschaftliche und wirtschaftliche Erfahrungen.

Für welches Modell wir uns auch entscheiden – sicher können wir zwischendurch ein kleines Picknick im Grünen einschieben: Etwas Leckeres zu essen und ein Schlückchen Sekt haben wir uns dann auf jeden Fall verdient.

Ihr Mumm Sekt-Team