Kochen gucken

Die Legende geht so: Als vor etlichen Jahren eine Umfrage ermittelte, wer denn der beste Koch Deutschlands sei, lautete die skurrile Antwort: Alfred Biolek. Die TV-Präsenz seiner Kochsendung „alfredissimo“ hatte seinerzeit zu diesem amüsanten Resultat geführt.

Im Prinzip wird seit der Erfindung des Fernsehens auch auf dem Bildschirm gekocht. Während in den Anfängen der Kochshows in den USA vor allem Julia Child – eine alte Bekannte aus unserem Blog-Artikel „Kulinarisches Kino“ – im Vordergrund kochte, war in Deutschland Clemens Wilmenrod der erste Fernsehkoch. Das ist derjenige, der in die muffigen Wohnzimmer der 60er-Jahre mit dem Toast Hawaii (nur echt mit Dosenananas!) ein wenig Exotik brachte. Wo die Engländer seit Jahrzehnten von Jamie Oliver lehrreich-unterhaltsam bekocht werden, hat hierzulande Tim Mälzer eine Vormachtstellung aufgebaut.

Mehr Kochen im Fernsehen war nie

Nahezu auf allen Kanälen wird gekocht. Die Spannbreite umfasst Hobbyköche, die in Formaten wie „Das perfekte Dinner“ (Vox) oder „Küchenschlacht“ (ZDF) gegeneinander antreten. Oder sich noch ehrgeiziger und kulinarisch durchaus seriöser bei den deutschen Adaptionen der US-Formate „The Taste“ (Sat1) oder „MasterChef“ (Sky) messen. Daneben gibt es einen Haufen Sendungen, wo mehr oder weniger bekannte Köche versuchen, ins Straucheln geratene Restaurants wieder auf Kurs zu bringen: Die Kochprofis, Rosins Restaurants oder Rach, der Restauranttester. Die Popularität geht soweit, dass die Protagonisten Anfragen erhalten, ob man denn bei ihnen eine Ausbildung zum Fernsehkoch machen könne.
Kurzum, im Fernsehen laufen immer mehr Kochsendungen. Zugleich wird zuhause am heimischen Herd immer weniger gekocht. Das ist eigentlich ein Widerspruch. Denn einige Formate bieten, neben bester TV-Unterhaltung, appetitliche Anregungen und machen Lust aufs Essen und Kochen. Meistens sind es herrliche Dokumentationen wie die „à la carte“-Reihe im WDR von Stefan Quante, welche nicht auf vordergründige Showeffekte setzen. Als begeisterte Genießer der TV-Kost haben wir uns mal durch die Kanäle gezappt und stellen ein zwei unserer aktuellen Favoriten vor.

„Kitchen Impossible“, Vox – Prädikat „wertvoll“

So kann vorbildliche TV-Unterhaltung aussehen, die gerade für den renommierten Grimme-Preis nominiert wurde und den Deutschen Fernsehpreis gewann. Dem Starkoch rinnt der Schweiß der Verzweiflung die Stirn hinunter. Unter ungewohnten Bedingungen auf einem schwankenden Marineschiff misslingt einem Profi wie Tim Mälzer eine simple Erbsensuppe. Eigentlich eine Fingerübung für einen mit allen Unterhaltungswassern gewaschenen Koch, der zuvor über die vermeintliche einfache Aufgabe noch lauthals tönte. Doch auch seinem Gegner, dem sympathischen Alexander Herrmann, wird es heiß. Daran ist nicht nur der glutheiße Grill schuld, auf dem er unter kritischen Blicken der Restaurant-Crew ohne Strom und Gas ein Steak auf einem Holzkohlegrill zubereiten muss.

Die geschilderten Szenen stammen aus der letzten Staffel von „Kitchen Impossible“. Aktuell läuft seit dem 29.01. eine neue Staffel der Sendereihe auf dem Privatsender Vox. Bei dem Format treten zwei prominente Köche zum Wettkochen gegeneinander an. Dabei stellen sie sich gegenseitig knifflige Aufgaben, welche die Küchenprofis aus ihrer gewohnten Komfortzone herausreißen. Der Koch bekommt eine Box mit einem ihm unbekannten Gericht und muss das vom ihm Probierte nachkochen – an einem fremden Ort und Herd und ohne die üblichen Einkaufsmöglichkeiten. Danach stellt er sich einer Jury, die das Gericht in- und auswendig kennt. Neben Mälzer treten jeweils sonntags zur Prime Time um 20:15 Uhr die Zweisterneköche Tim Raue, Christian Lohse, Peter Maria Schnurr und Hans Neuner sowie Meta Hiltebrand, Roland Trettl, Maria Groß und Holger Bodendorf zu Duellen an. Eine hochkarätige Besetzung, die sich auf die öffentliche Herausforderung nebst möglichem Scheitern einlässt. Wir schalten auf jeden Fall ein und stehen nur in den Werbeunterbrechungen für den Weg zum Kühlschrank zum Nachschenken auf.

Chef’s Table auf Netflix

Der Bezahlsender Netflix kann für sich mit in Anspruch nehmen, die Sehgewohnheiten innerhalb weniger Jahre auf den Kopf gestellt zu haben. Gestartet als Online-Videothek hat sich das US-Unternehmen zu einem der bekanntesten Streaming-Anbieter entwickelt. Mit dafür verantwortlich ist neben Eigenproduktionen, wie der hochgelobten Polit-Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey, die aufwendig produzierte Doku-Reihe Chef’s Table.

An einem „Chef’s Table“ sitzt man für gewöhnlich in oder an der Küche eines Restaurants und kann der Küchenmannschaft bei Kochen und Anrichten zuschauen. So ungefähr kann man sich auch die Serie vorstellen. Denn man erlebt Spitzenköche hautnah wie sonst selten. In jeder Episode wird ein weltberühmter Chefkoch begleitet. Der Zuschauer erhält nicht nur Einblicke in die tägliche harte Arbeit und die Entbehrungen, sondern erfährt, woher die Herdhelden ihre Inspiration nehmen. Das zu solchen Lebensgeschichten auch Scheitern und Zweifeln dazugehört, wird – manchmal etwas sehr amerikanisch zugespitzt dargestellt – bei fast allen Kochgrößen deutlich. Zu den bisher portraitierten Köchen gehören: Massimo Bottura, dessen „Osteria Francescana“ kürzlich zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde, der Brasilianer Alex Atala, der als einflussreichster Koch der Welt gilt und der profilierte Avantgarde-Koch Grant Achatz aus Chicago. Wir freuen uns, ein Netflix-Abo zu haben, denn in der dritten Staffel von Chef’s Table, startend am 17. Februar, kommt zum ersten Mal ein deutscher Koch in der international gefeierten Serie vor: der Berliner Tim Raue, ehemaliges Straßengang-Mitglied, heutiger Spitzenkoch und Restaurantbesitzer.

Für uns gehören zu solchen Highlights auf jeden Fall ein paar kleine Snacks und prickelnder Mumm Sekt dazu. Wir sind dann mal in der Küche und planen die Begleiter zum Genussfernsehen…

Ihr Mumm Sekt-Team